Manifest

Dies sind die Regeln beim Besuch der Fürsorgeakademie:

ERSTE REGEL

Nähe

Die kleinste wirtschaftliche Einheit ist nicht die Firma. Es ist der Moment, in dem ein Mensch einem anderen zuhört.

Dort entsteht das Kapital, das alles andere trägt: Vertrauen.


ZWEITE REGEL

Wandel

Wirtschaft ist kein Naturgesetz - sie ist ein Gedicht in Tabellenform. Wir können jeden Vers umschreiben.

Beginnen wir in Tabellenzeile 1 mit dem Wort: Fürsorge.


DRITTE REGEL

3. Zukunft

Fortschritt heißt nicht, dass alles schneller geht.

Fortschritt heißt, dass niemand zurückbleibt, wenn wir gemeinsam gehen.


VIERTE REGEL

4. Geld

Ein gutes Geld misst nicht, was du besitzt, sondern fließt für das, was durch dich möglich wird.

Eine gute Währung fördert gute Beziehungen unter den Menschen und zwischen Mensch und Natur.


FÜNFTE REGEL

5. Humor

Wer lacht, rechnet schon anders.

Denn Lachen und Humor sind Zinsen auf Lebensfreude - steuerfrei, aber ansteckend.

Manifest der Fürsorgeökonomie

Ein Plädoyer für das, was für ein gutes Leben notwendig ist.

1. Wert

Bevor wir Reichtum zählten, zählten wir einander. Ein Mensch war „wertvoll“, weil er da war – mit Händen, Herz und seinem Blick auf das Ganze. Der wahre Wert einer Gesellschaft zeigt sich in der Güte und Wärme ihrer Beziehungen. Wir haben vergessen, dass Wohlstand von Wohl-Sein kommt. Die Fürsorgeökonomie beginnt dort, wo wir den Mut finden, wieder zu fragen: Was nährt uns wirklich, statt nur zu vermehren.

2. Arbeit

Arbeit war nie nur Erwerb, sondern immer auch Zuwendung: Kochen, Heilen, Trösten, Pflegen, Lehren – das sind die ältesten Professionen der Welt. Sie hielten uns am Leben, lange bevor jemand den Begriff „Wirtschaft“ erfand oder ein industriell-gefertigtes Produkt hergestellt wurde.
Doch unser heutiges Wirtschaftssystem erkennt Arbeit nur dann an, wenn ein Ding hergestellt oder eine auf Effizienz zugeschnittene Dienstleistung einem großen Markt angeboten wird. Es vergisst die Millionen unsichtbarer Handlungen, in denen die Gesellschaft täglich neu gekittet wird. Eine zusätzliche Fürsorgeökonomie erkennt diese Tätigkeiten dagegen als das, was sie sind: Produktiv- und Reproduktivkraft, Beziehungsgeflecht und nicht zuletzt Kulturleistung.

3. Zeit

Unsere Lebenszeit ist das Einzige, was wir wirklich besitzen – und das Erste, was wir verschenken. In der Logik der Fürsorge zählt Zeit nicht abwärts, sondern sie kreist. Denn eine Care-Stunde, die wir teilen, kommt als Energie höherer Art tausendfach zurück – verwandelt in Dankbarkeit, Vertrauen, in gute Erinnerungen und innerem Frieden.

Deshalb braucht die neue Wirtschaft auch eine neue Zeitrechnung: eine, die sich auch an Verbindung misst statt nur an Menge und Geschwindigkeit.

4. Geld

Geld ist kein Gegner der Fürsorge – im Gegenteil: Geld ist ihr Werkzeug, wenn es richtig gebaut ist. Ein gutes Geld misst, wie viel jemand beiträgt. Das muss schnellstmöglich auch für Beiträge zum Gemeinwohl gelten. In der heutigen Multi-Krisen-Zeit ist diese Forderung dringlicher denn je. Und für das Gemeinwohl gilt: auch viele, kleine Beiträge können sehr, sehr förderlich sein. Ein gutes Geld weiss das und fördert Kreisläufe statt Extraktion, Gemeinschaft statt Isolation.

Wir können Währung wieder wörtlich nehmen: das, was wirkt, was in Bewegung setzt und gleichzeitig unter den Menschen ewig währt. Nichts brauchen Menschen mehr als das Getragensein in einem Personenverbund und ein wechselseitiges Gesehenwerden. In der Care-Währung steckt also die Chance für ein neues Aufkeimen von Vertrauen zwischen Bürger, Staat und Erde.

5. Zukunft

Die Fürsorgeökonomie ist keine Utopie, sie ist eine Rückerinnerung, denn nicht einmal ein antikes Möbelstück oder die alten ägyptischen Pyramiden sind so alt und essentiell für die Menschheit wie Care.

Wir alle tragen Care in uns: im Impuls, zu helfen, zu lehren, zu bewahren, zu gestalten, uns bei großen Herausforderungen zusammen zu schließen.

Was jetzt beginnt, ist die Übersetzung dieses Impulses in Strukturen, die Care auch finanziell tragen. Vielleicht ist das der wahre Fortschritt: nicht höher, schneller und reicher – sondern näher, achtsamer, verbundener.

Den Reichtum einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht.

Nehmen wir diese Weisheit ernst, darf Care einen ebenbürtigen und zugleich altehrwürdigen Platz neben unserer modernen Produktwirtschaft einnehmen.

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